Tal der tausend Nebel - Noemi Jordan

Zuerst mal zum Cover... geht es überhaupt noch schöner? Kaum möglich! Dieses Cover ist eins der Schönsten, die ich kenne und auch der Grund, weshalb ich mir das Buch überhaupt gekauft habe, wenn ich ehrlich bin ;)

 

Die Geschichte vom Tal der Tausend Nebel ist eine Geschichte auf zwei Zeitebenen die von Elisa in der Vergangenheit und von Maja in der Gegenwart erzählt.

 

Die junge Hamburgerin Elisa kann schon bei ihrer Ankunft an der Küste der Hawaii-Insel Kauai ihren Blick nicht von dem gutaussehenden Hawaiianer Kelii wenden, obwohl sie doch bald einen wohlhabenden und standesgemäßen Ehemann unter den lokalen Zuckerrohrplantagenbesitzern finden soll. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie dieses Reise mit ihrer kränklichen Mutter Clementia angetreten, um auf der Plantage, die zur Hälfte ihnen gehört, bei ihrem Onkel und ihrer Tante zu leben. Doch noch bevor sie einen Fuß auf das Land setzt, wird sie von einem großen Hai angefallen und in die Tiefe gezogen. Sie überlebt diesen Angriff nur dank dem gutaussehenden Kelii und seinem Vater...

 

Ich habe einige Zeit gebraucht um in die Geschichte hineinzufinden und ich fand sie auch recht "anstrengend" zu lesen zu Beginn. Nicht weil der Schreibstil oder Inhalt komplex und kompliziert waren, sondern weil die Geschichte nicht so fesselnd war, wie ich es mir gewünscht hätte.

Als Leser bleibt man irgendwie außen vor, weil der Schreibstil nicht so bunt und fesselnd ist, dass man sich als Teil der Geschichte fühlt.

Für meinen Geschmack wird in der Geschichte der Vergangenheit auch eine etwas zu moderne Sprache benutzt.

 

Elisa steht an der Reling des Schiffes oder im Wasserbecken beim Pflanzensammeln und erinnert sich an Situationen oder Momente die dann ausführlich beschrieben werden und 5-10 Seiten später, steht sie noch an derselben Stelle und man ist kurzzeitig verwirrt, weil sie noch nicht weitergekommen ist, obwohl die Erinnerung so lang war, dass normalerweise auch in der tatsächlichen Geschichte mehr Zeit hätte vergehen müssen.

Später findet man dann eine Erklärung für dieses Phänomen: "Seit ihrem Unfall geschah es öfter, dass sie urplötzlich in Gedanken versank. Selber merkte sie es nicht, dass bisweilen sogar eine ganze Minute (leiiiiiichte Untertreibung) verstrich, in der sie einfach nur in die Ferne starrte und alles um sich herum vergaß."

Sobald Elisa nicht nur still steht und sich erinnert sondern in der tatsächlichen Geschichte etwas passiert, wird es direkt spannender und viel flüssiger zu lesen.

 

Es passiert öfter in der Geschichte, dass man sich als Leser wundert, verwirrt oder entsetzt ist über eine bestimmte Situation und einige Seiten später dann eine Erklärung oder Rechtfertigung für diese Situation oder die darauffolgende Reaktion findet.

 

Man bildet sich ein Urteil über einen Charakter, "verliebt" sich direkt in ihn oder schwärmt mit der Protagonistin mit und kurz darauf sagt oder macht dieser Charakter etwas, was man ihm nie zugetraut hätte und "zerstört" so die ganze Geschichte, die man sich schon in den schillerndsten Farben ausgemalt hatte.

Gesamt gesehen sind mir die Geschichte an sich und die Personen zu wankelmütig. Es ist ein ewiges Hin und Her ...zu viel des Guten...

So ändern manche Personen im Buch ihre Einstellung und Meinung so grundlegend, dass es nicht nachvollziehbar ist.

Wie kann z.B. eine Hawaiianerin, die die Weißen hasste einige Monate oder ein Jahr später selbst weiß gepudert, in Korsett und Schnürstiefeln rumlaufen?

(show spoiler)

 

Und dann, als man den Prolog und Maja und Keanu schon längst vergessen hat, spielt die Geschichte auf einmal in der Gegenwart und es kommt eine Erklärung für die Verbindung dieser zwei Zeitebenen, die im ersten Augenblick vollkommen an den Haaren herbeigezogen klingt! Ganz nach dem Motto "historischer Frauenroman trifft auf Fantasy" wo man sich denkt "Ach, komm schon!!! So ein Humbug!"

ABER... wenn man nicht alles hinterfragt und anzweifelt sondern es einfach als gegeben oder für diese Kultur völlig normal hinnimmt, dann ist die Geschichte wirklich schön und verzaubert einen.

 

Eine Sache, die ich gleichzeitig interessant und unrealistisch fand, war, dass sich die Geschichten der Vergangenheit und der Gegenwart so sehr ähneln, dass vieles wie ein Déjà-vu erscheint.

 

Das letzte Drittel ist sehr flüssig zu lesen, so dass man das Buch dann gar nicht mehr aus der Hand legen mag und das Ende ist so schön, dass es mich mit dem Buch wieder versöhnt hat und ich schon sehr gespannt bin, wie es im zweiten Teil und mit Elisa und Maja weitergeht.