Der Duft von Hibiskus - Julie Leuze

Der Duft von Hibiskus ist mal eine ganz andere Australien-Geschichte als man sie sonst kennt. Nicht: „Frau/Lehrerin/Ärztin etc. kommt nach Australien obwohl ein Mann erwartet wurde, setzt sich durch und rettet die Welt“ und auch nicht eine Geschichte über das Leben im Outback in der flirrenden Hitze und wie eine Frau unter diesen Bedingungen zurechtkommt (wobei ich diese Arten von Geschichten auch sehr mag ;) )...

Die Geschichte um Emma Röslin ist etwas, das ich so bisher noch nicht gelesen habe. Emma hat in ihrer alten Heimat Probleme - an die sie sich aufgrund eines Gedächtnisverlustes nicht einmal erinnern kann - und nutzt die Chance, die ihr ein Bekannter ihres Vaters, der Botaniker und Forscher Oskar Crusius, bietet um Deutschland zu verlassen und nach Australien zu gehen, um sich ihm als Assistentin/Pflanzenzeichnerin und dem Forscherteam um Carl Scheerer anzuschließen.

 

Die Geschichte spielt 1858/1859 und es sind immer wieder Erinnerungen an ihr Leben in Deutschland zu finden, die so in die Geschichte eingebettet sind, wie man auch im wirklichen Leben in Tagträume abdriftet oder sich in Gedanken verliert. 

Eine Erinnerung schließt an der Stelle an, an der die letzte Erinnerung aufgehört hat.

Man findet also keine „Zeitsprünge“ o.ä. in dem Sinne, sondern es passt alles zusammen und man muss nicht verwirrt nach der letzten Erinnerung im Buch suchen um einen Zusammenhang zu finden.

 

Was mir am besten gefallen hat, war die so perfekte Beschreibung der Gefühle.

Ich habe selten so genau beschriebene Gefühle in einem Roman gefunden, dass ich meinte ich selbst wäre die Protagonistin und wäre nicht nur dabei gewesen wie eine Zimmerpflanze oder eine außenstehende Person, die zwar sieht was vor sich geht, es jedoch nicht fühlen kann. Dafür ein riesiges Lob an Julie Leuze!

 

Es ist auch das erste Mal, dass ich lese, wie eine Frau mit alltäglichen Schwierigkeiten in Australien, fernab jeder Zivilisation, umgeht; Schwierigkeiten, die in anderen Romanen oft einfach übergangen werden. Dazu wurden diese Situationen mit genau den Worten, die meiner Meinung nach perfekt in die damalige Zeit passen, erklärt und gelöst.

 

Das Buch ist wunderbar flüssig zu lesen und es kommt keine Langeweile in der Geschichte auf.

Der Schreibstil ist, so komisch sich diese Beschreibung anhört: luftig, locker, leicht – klingt fast wie Mousse au chocolat, hm? Ähnlich süß ist auch die Liebesgeschichte, herzerwärmend und nicht zu kitschig.

 

Ein tolles Buch für warme Frühlings- oder Sommertage!

...mit Vogelgezwitscher und Wasserplätschern im Hintergrund natürlich noch besser.

 

 

 

 

 

Kleine Anmerkung: den Klappentext auf der RÜCKSEITE des Buches kann man auf jeden Fall lesen, nur den Klappentext auf der Innenseite des Umschlages (diese ausklappbare Seite des Umschlags auf der Rückseite des Buches – „über dieses Buch“ ?) sollte man erst nachdem man das Buch durchgelesen hat, lesen, da dort so gut wie die ganze Geschichte kurz zusammengefasst ist.